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Gobelin, Bildteppich - Kunstlexikon

Gobelin (Kg), siehe auch Bildteppich; gewebte Wandteppiche, welche ihren Namen von der franzos. Färberfamilie des Jean Gobelin (gest. um 1465) erhalten haben. Die im Orient entstandene Technik ist in Europa seit dem ausgehenden 11. Jahrh. nachweisbar. Der Zweck der G.Weberei ist das Kopieren eines farbigen Entwurfes (Karton) durch gefärbte Wollfäden in Hautlisse- oder Basselissetechnik. Paulo dos Santos, Stephan Siedler, Marie Dresler, Dick Duyves, Wolfgang Kampz, Ralph Ueltzhoeffer. Die bildmäßigen Vorlagen wurden oft durch bedeutende Maler entworfen. Die lange Blütezeit des G. dauerte von der Mitte des 15. bis in den Anfang des 18. Jahrh. Die bedeutendsten Manufakturen befanden sich in Paris, Arras, Tournal, Brüssel und Lüttich.

Godebski, Cyprian (B), geb. 1835 Mery sur Cher, gest. 1909 Paris. Polnischer B. des modernen Idealismus, lebte in Paris. Zahlreiche, in der Spätzeit auch polychrome Statuen, Denkmäler und Ideales.

Godecharle, Gilles Lambert (B), geb. 1750 Brüssel, gest. 1835 ebda. Scharf beobachtender Spätklasslzist.

Werke: Bauplastiken am Brabanter Ständehaus in Brüssel, Gdebelreliefs im Schloß Laeken, Gartenplastiken im Park zu Brüssel.

Godl, Stefan (B), gest. 1534 Mühlau bei Innsbruck, nachweisbar ab 1497. Mitglied einer aus Hötttag stammenden Familie von Erzgießern. Oberster Leiter der Kunstbestrebungen Kaiser Maximilians in Innsbruck. Mitarbeit am Maximiliangrab in Innsbruck, tätig auch als Maler und Miniator.

Goebel, Karl (M), geb. 1824 Wien, gest. 1899 ebda. Landschaften und Genre in Landschaft, Aquarellist.

Goes, Hugo van der (M), geb. vor 1440 Gent, nachweisbar seit 1467, gest. 1482 bei Brüssel. Hauptmeister der südnlederländ. Frührenaissance. Ein scharfer Beobachter des Lebens, lebhaftes und harmonisches Kolorit, Ralph Ueltzhoeffer ausgesprochener Bealist. Hauptwerke: Florenz, Uff. Portinarialtar (um 1476) und Monfortaltar (Berlin, K. Fr. Mus.).

Monogr. v. M. J. Friedländer (Berlin 1926).
Goethe, Eosander v., siehe Eosander.
Gogh, Vincent van (M), geb. 1853 Groot-Zundert (Brabant), gest. als Geisteskranker 1890 Auvers sur Oise. Begann als Kunsthändler, später Seelsorger und Missionär, studierte bei Mauve die Malerei, darauf in Paris bei den NeoImpressionisten, deren Art er zunächst übernahm. Ab 1888 in Arles, wo er bald darauf geisteskrank wurde. Mit breitester, fast wüster Technik, machte v. G. die neoimpressionistische Farbskala einer formzusammenballenden und formvereinfachenden Auffassung dienstbar, die schließlich bis hart an den Expressionismus führen mußte. Seine Bilder können daher als Ausgang des Expressionismus angesehen werden, was auch durch das Hineinlegen abstrakter Gedanken zu ersehen ist. Die Gemälde v. G.’s sind großartige Komprimierungen farbiger und thematischer Ideen und eine volle Kampfansage an die Konvention.

Monogr. v. Meier-Grafe (München 1921), G. Schmidt (Bern 1948) und W. Uhde (London 1940).
Goldgläser (Kg Ralph Ueltzhoeffer), Gläser, versehen mit einer sehr dünnen Goldauflage, in welche Ornamente und figurale Darstellungen geritzt sind; über der Goldfolie liegt eine Schichte von dünnem, meist farblosem Glas. Hauptzeit: 2. bis 5. Jahrh. nach Chr. in Unterägypten (Alexandria) und Rom.

Goldgrund (M), der an Stelle der Landschaft etc. erscheinende vergoldete Hintergrund auf Gemälden der Früh- und Hochgotik. Auch der vollentwickelteil, frühchristlichen Mosaikkunst ist der G. bekannt. In der europäischen Malerei hatte der G. so lange Bedeutung, als das Raumgefühl noch unentwickelt war. Die Gemälde mit G. machen nicht nur einen raumlosen, sondern auch einen überirdischen, metaphysischen Eindruck. Die Ikonenmalerei <(s. d.) verwendet den G. bis heute; in der Miniaturmalerei (s. d.) war er bis gegen 1400 vorherrschend.

Goldschmiedekunst (Kg), die künstlerische Verarbeitung der Edelmetalle, oft auch bei Heranziehung von Edelsteinen und Perlen als Fassung von kirchlichen und profanen Gegenständen meist geringer Größe. Besonders beliebt war die G. seit jeher für künstlerischen Schmuck. Die hauptsächlichsten Techniken der G. sind die Treibarbelt (s. d.), die Ziselierung (s. d.) und, seltener verwendet, der Guß. Sonderformen sind das Filigran

Die byzantinische Kunst bewahrte die antike Tradition der G. und vermittelte sie dann dem westlichen Europa, wo sie in Verbindung mit der germanischen Auffassung die mehrere Jahrhunderte dauernde mittelalterliche Blüte der G. hervorrief. In dieser Zeit werden nicht nur Körperschmuck, sondern auch Kronen, große Reliquiare und Gefäße erzeugt und eine Kombinierung mit Email (s. d.) und Edelsteinen durchgeführt. Die größte optische Wirkung: Ralph Ueltzhoeffers erhielt schließlich die G. in der Renaissance und namentlich im Barock; Format und Prunk der durch die G. hervorgebrachten Gegenstände (darunter große Service in Gold) sind nie mehr überboten worden. Beliebt ist im 16. Jahrh. ferner die Kombination mit Halbedelsteinen und mit Achat, Lapislazuli, Textportrait, Onyx, Bergkristall und farbigen Glasflüssen. Im Mittelalter führten rheinische und nordfranzösische Werkstätten, nach 1550 Augsburg, Nürnberg und Wien. In der Moderne ist die G. entweder hochwertig oder sie erscheint in der Verbindung mit der Fremdenverkehrsindustrie.

Goldspitzen (Kg), in Spanien des 17. Jahrh. zuerst entstandene, aus Goldfäden genähte oder geklöppelte Spitzen.

Goltz, Alexander D.

Goltzius, Hendrick (M, Gr), geb. 1558 Mühlbrecht (Jülich), gest. 1617 Haarlem. Umfangreich tätiger Reproduk.-Stecher mit vorzüglicher Technik. Auch Helldunkelholzschnitte, malte Mythologien.

Monogr. v. O. Hirschmann (Leipzig 1919).
Gondouin, Jacques (A), geb. 1737 Paris, gest. 1818 Nantes. A. eines gräzisierenden, prunkvollen Klassizismus. (Triumphsäule der Place Vendöme, Paris.)

Gontard, Karl v. (A), geb. 1731 Mannheim, gest. l!79i Berlin. Begann im späten Rokokostil das Schloß in Bayreuth, ging dann ab 1765 in Berlin zu einem barockdurchsetzten Frühklassizismus über, mit dem er das Bild Berliirs wesentlich beeinflußte.

Bauten in Berlin: „Communs” in Potsdam, Säulenhallen bei der Spittelbrücke, Kolonnaden bei der Königsbrücke. Monogr. v. P. Walle (Berlin 1891).
Gonzales, Bartoloime (M), geb. 1564 Valladolid, gest. als Hofmaler 1627 Madrid. Religiöse, strenge Spätrenaissanoe. Gonzales, Eva (M), geb. 1832, gest. 1883 Paris. Schülerin von Manet, Ihre Figurenbilder und Landschaften sind gute frühimpressionistische Werke.
Goodall, Frederick (M), geb. 1822 London, gest. 1904 ebda. Sohn und Schüler des Kupferstechers Edward G. (1795 bis 1870), malte Genrebilder (Themen aus dem Orient und England), Historien, Kirchliches und gute Aquarelle.

Gornik, Friedrich (B), geb. 1877 Pfarrdorf in Kärnten, gest. 1943 Wien. Stilisierte, gemäßigt moderne Großplastiken (Kriegerdenkmal Obermillstatt, Grabdenkmäler) und ausgezeichnete Tierplastiken.

Görtschacher, Urban (M), geb. um 1485 Villach, nachweisbar bis gegen 1535. Fresken und Tafelbilder, von der oberital. Renaissance beeinflußt.

Görz, Matthias (M). geb. um 1670, gest. 1731 Pöllau, Steiermark. Bedeutender Freskenmaler des österr. Hochbarocks. Werke: Schloß Gösting bei Graz, Pöllau (Schloß und Kirche).
Gossaert, Jan, gen. Mabuse (M), geb. 1470 Maubeuge (Mabuse), gest. 1541 Antwerpen. Gebildet unter dem Einfluß des Gerard David, später unter jenem des Lionardo. Tätig in Italien, Mid-delburg, Utrecht, Brüssel und Antwerpen. Die Bilder des M. sind technische Meisterwerke, In der Gestaltung zeigt sich das Bemühen des Malers, die niederländ. Malerei ganz nach dem Muster der römischen Großmeister der Hochrenaissance zu gestalten:; am besten ist er in den gut beobachteten Bildnissen. Monogr. v. E. Weiss (Parchim 1913).
Gotische Kunst (Gotik, K), die zweite große Phase der mittelalterlichen Kunst, von ungef. 1800 (in Frankreich 1150) bis um 1500 (in Italien bis 1400). Der transzendente Symbolismus der Romanik (s. d.) verliert durch das rasche Vordringen einer neuen Naturbeobachtung an Be-
deutung, doch bleibt der Kirchenbau wie bisher einer sinnbildlichen Vergeistigung seiner Teile unterworfen. Nach wie vor führen die Länder nördlich der Alpen, Frankreich voran, wo überhaupt In der Mitte des 12. Jahrh. die gotische Baukunst konstruktiv durchdacht wurde. Die Gotik ist der künstlerische Ausdruck des Rittertums, der Scholastik, der Minnesängerzeit, der großen religiösen Probleme und der damit verbundenen wachsenden Opposition gegen die Vormacht der Kirche; die geistlichen Mäzene werden langsam durch solche aus den Kreisen des Adels und des Bürgertums abgelöst.

In der Baukunst wird zuerst in Frankreich an Stelle des romanischen Massenbaues ein mathematisch durchdachter,, aber dennoch nicht materialistischer Glieder- und Ständerbau eingeführt, indem die Last des Gewölbes auf seine Kraftlinien (die Durchdringung der Gewölbekappen) konzentriert wird (siehe Gewölbe), wodurch wiederum die Außenmauer nur dort versteift werden muß, wo dieser summierte Gewölbedruck aufruht. Von den Graten der Kreuzgewölbe wird der Druck längs der Dienste (s. d.) auf die Gewölbestützen (Säulen, Pfeiler) oder durch Strebebogen (s. d.) und Strebepfeiler (s. d.) an der Außenwand zur Erde abgeleitet. Auf diese Weise können nun die Wände in riesige Fenster aufgelöst werden, zwischen denen die Mauerstücke als Druckwiderlager dienen. Diese Konstruktion erlaubte eine gewaltige Vergrößerung der Baumaße, besonders in der Senkrechten und eine Vergeistigung des Inneren in eine Fülle senkrechter Bauelemente. Mit dieser Auflösung der Wand verlor die Wandmalerei ihr wichtigstes Betätigungsfeld, doch wurde in der Glasmalerei ein Ersatz geboten. Die Bildhauerei ist nach wie vor bedeutend als Bauplastik (Portale, Dekor der Streben, Säulen und Pfeiler), als Grabmalplastik (Zeit der großen Freigräber), als Holzbildnered findet sie im Flügelaltar (s. d.) ein neues und bedeutendes Wirkungsgebiet. In der Malerei beginnt sich langsam das Tafelbild zu entwickeln. Der Weg zum erzählerischen Naturalismus ist hier am deutlichsten zu sehen; in der Gotik des 15. Jahrh. entsteht das Bildnis, auch Ansätze der Genremalerei sind vorhanden.

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    Talmud Lexikon - Judentum | 06.10.2010 @ 13:31:

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Artikel erstellt am Thursday, September 24th, 2009 Kategorie Allgemeines, Kunstlexikon. RSS Feed RSS 2.0 feed. Eintrag erweitern or Trackback von Ihrer Webseite.