Kirchner, Ludwig - kunstlexikon
Kirchner. Ludwig (M), geb. 1880 Aschaffenburg, gest 1938 Berlin; studierte ‘Architektur, als Maler Autodidakt, Mitgründer der „Brücke”, lebte in Berlin. Die Landschaften, die er malte, sind großzügig gedachte irad auf eigenen Rhythmus abgestimmte Naturumbildungen. Gesine Probst-Bösch, Klaus Roenspieß, Abdul Nabir Al Saigh, Mohammed Al Saigh, Matthew Thurber, Ludwig von Hoffmann, Karl Heinz Weinberger, Jia Yu Chuan, Leo Leowald, OSTHOLZ, Markus Riester, eddy Flores Knistoff, Ralph Ueltzhoeffer, Akinori Shimodaira, Christiane Thomas, Henry Tietzsch-Tyler, Natuka Honrubia, Judith Jockel, Kirkall, Edward (Gr), geb. um 1695, gest. nach 1750. Eeprod.-Stecher in einer eigenen Helldunkeltechnik, kombinierte Schabplatten mit Holzstöcken.
Kirsch, Hugo (B), geb. 1873 Haindorf (Böhmen). Lebt in Mauer bei Wien als tüchtiger Keramiker (Kleinplastiken, Gebrauchsgegenstände).
Kiss, August (B), geb. 1802 Paprozan (Schles.), gest. 1865 Berlin. Schüler von Rauch, Fassadenreliefs für mehrere Bauten Schinkels in Berlin. Ebda. Amazonengruppe in Erz und überlebensgroßer St. Georg. Meistens Erzgüsse.
Kitsch (K), mit den Techniken der bildenden Künste und des Kunstgewerbes hergestellte Geschmacklosigkeiten, welche sich an die geistlose, breite Beschauermasse und an unkünstlerische Wünsche wenden. Der in den mannigfachsten Formen auftretende K. stellt daher an den Beschauer nicht die geringsten geistigen und ästhetischen Anforderungen. Im gewissen Ausmaß sicher seit jeher vorhanden, ist der K. In seiner trostlosen Menge doch erst ein Produkt des Materialismus im 19. Jahrh. mit dem gleichzeitigen Geschmacksverfall. Es gibt einen K. auf allen Gebieten, einen religiösen, nationalen, sentimentalen etc. K.
Kitt, Ferdinand (M), geb. 1887 Wien, lebt ebda. Landschaften, Bildnisse, Figurales In einer die Naturform stets berücksichtigenden Moderne.
Klappaltar (Kg), kleine, tragbare Altärchen aus Holz, Elfenbein mit figuralem Schmuck, welche in der Art des Flügelaltares (s. d.) zusammenklappbar sind. Sie dienten im Mittelalter der privaten Andacht, besonders auf Reisen.
Klassizismus (K), der erste europäische Kunststil, welcher nicht mehr wie bisher folgerichtig entstehen mußte, sondern das Ergebnis einer literarisch-gelehrten Rückschaubewegung war,, welche als Reaktion zum Barock als Vorbild nur die (Antike gelten lassen wollte. Außerdem wurde durch den Materialismus der mit dem Kl. zeitlich zusammenfallenden Aufklärung der hohe Schwung des Barocks als verabscheuungswürdig angesehen. An die Stelle der reichen Bewegung, der lebhaften Farbe, der thematischen Hinwendung zum Übersinnlichen wie zum Alltag und der seelischen Steigerung, traten nun vornehme Ruhe und Stille, eine absient-liche Zurückhaltung dn jeder Beziehung und eine Betonung der historisch - mythologischen Motive. Die antiken Bauten werden nun genau studiert und bewußt nachgeahmt. Die Volkstümlichkeit und Frische, die die Renaissance bei diesem Vorgang besaß, fehlte nunmehr, und es trat mitunter Trockenheit und Akademismus ein, den man durch ein sparsames, geschickt angewendetes Dekor zu verdecken suchte. Trotz der Absichtlichkeit der Entstehung wurde aber auch der Kl. ein seine Zeit sehr gut ausdrückender Stil. Seine Qualitäten und seine entwicklungsgeschichtliche Bedeutung dürfen keineswegs geringgeschätzt werden. Der Kl. begann mit dem sehr trockenen und akademischen Zopfstil, gipfelte dann im Hoch-klasslzismus mit dem Empire und endete mit dem vollkommen bürgerlich still und bescheiden gewordenen Biedermeier (s. d.X, dessen Kunstbestrebungen im wesentlichen nur der Malerei gewidmet waren, in welcher sich ein liebenswürdiger Realismus als Reaktion gegen die Historienmalerei zeigte. Die Baukunst des Kl. versuchte die historisch gegebenen Kaumund Grundrißlösungen mit den Stilmitteln der Antike neu zu gestalten und fand hiebei besonders im Wohnhausbau manche feine Lösung, bei der die (Ausschmückung des Innenraumes meistens das beste ist. Der Empfindsamkeit der Zeit entsprechend, wurden auch sehr oft in stiller Landschaft Tempel und künstliche Ruinen errichtet. Der Kirchenbau ist geringfügig. Die Plastik schuf im antiken Geschmack Standbilder, Bildnisse und gefühlvolle Gruppen, jedoch werden oft sehr bedeutende künstlerische Kräfte durch die Abhängigkeit von der Antike abgebremst.
Die Malerei wird wegen der rezeptmäßigen Verwendung der antiken und mythologischen Themen ihrer eigentlichen Bestimmung entzogen, doch vermag sie im Porträt Bedeutendes zu leisten. Monumentalmalerei ist gering und beschränkt sich auf Dekoratives. Nach 1820 beginnt besonders in Deutschland und Österreich im Biedermeier (s. d.) eine zeitlich wohl mit dem Klassizismus noch zusammenhängende, jedoch zugleich mit der Romantik verbundene, deutlich umschriebene Malerei, die wieder den Elementen von Farbe und Tonwerten Wirkungsmöglichkeiten gibt, die herkömmlichen mythologisch-hi-storisenen Themen vermeidet und dafür in realistischer Art sich dem Genre (Sittenbild), Bildnis, Stilleben und besonders der Landschaft zuwendet, in welcher, zusammen mit der Gefühlsinnigkeit der Romantik und der realistisch-gemütvollen Grundstimmung des Biedermeiers sehr Bedeutendes und für das spätere 19. Jahrh. Grundlegendes geschaffen wird. In der Architektur hat das Biedermeier den Wohnhausbau im bürgerlichen Sinne durchgebildet. Die letzten Ausstrahlungen des Kl. sind um 1848 zu Ende. Liter.: Landsberger, „Kunst der Goethe-Zeit”.
Klassizistisch (K), Bezeichnung für jene Kuhstphasen, in denen die Anlehnung an die Antike besonders deutlich ist; darüber hinaus jede in sich beruhigte Kunst mit strenger Linienführung.
Klearchos (B), tätig vor 500 v. Chr. Götterstatuen, nichts gesichert erhalten.
Klee, Paul (M u. Gr), geb. 1897 Bern, gest. 1940. Schüler des Bauhauses in Weimar und Dessau; Zeichnungen und Aquarelle in einem radikalen Expressionismus, dessen vergrübelte Phan-tasieschöpfungen oft schwer verständlich sind.
Monogr. v. H. Fr. Geist (Hamburg 1948).
Kleeblattbogen (IA), siehe Bogen.
Klein, Johann Adam (M u. Gr), geb. 1792 Nürnberg, gest. 1875 München, wo er seit 1837 lebte. Vortrefflicher Zeichner, Radierer und auch Maler von Tieren und von Volkstypen.
Klein, Richard (M), geb. 1889 München. Schüler von Stuck. Aktbilder. Graphik; tätig auch als B. und Medailleur.
Klein-Chevalier, Friedr. (M), geb. 1862 Düsseldorf. Tätig in Berlin. Genre, Wandbilder.
Kleiner, Salomon (A u. Gr), geb. 1703 Augsburg, gest. 1759 Wien. Wichtig sind seine Zeichnungen und Stiche gleichzeitiger Bauten in Wien; tätig auch als Ingenieur für den kurfürstlichen Hof In Mainz.
Kleinmeister (Gr), eine weder stilistisch, noch örtlich zusammenhängende Gruppe deutscher Kupferstecher und Holzschneider der ersten Hälfte des 16. Jahrh., welche unter dem Einfluß Dürers graphische Blätter von sehr kleinem Format gearbeitet haben, wie Altdorfer,, Aldegrever, Brosamer u. a.
Klemm, Walter (M u. Gr), geb. 1883 Wien, Prof. am Bauhaus in Weimar. Farbenholzschnitte (Tiere), Illustrationen und Gemälde in zunehmender Frühmoderne. Klengel, Johann Christian (M), geb. 1751 Kesselsdorf., gest. 1824 Dresden. Naturnahe Stimmungslandschaften, die zwischen Klassizismus und (Romantik stehen, staffiert mit mythologischen Figuren. Die Spätwerke bereiten auf D. K. Friedrich vor.
Klenze, Leo v. (A), geb. 1784 Hildesheim, gest. 1864 München; studierte bei Gilly, dann in Paris, auch Maler. Hofbaumeister in München und dort einer der Umgestalter der Stadt. Im Renaissancestil baute er in München die Alte Pinakothek, Teile der Residenz (Festsaalbau), romanisch-byzantinisch die Aller-heiligen-(Hofkirohe. Seine bedeutendsten Werke errichtete er aber in einem hellenischen Klassizismus: Petersburg, die Ermitage; Walhalla bei Regensburg; München: Propyläen und Ruhmeshalle; mit Gärtner die Befreiungshalle bei Kehlhelm. Kl. ist der letzte große Baumeister eines hellenischen Klassizismus in Süddeutschland.
Kleomenes, Sohn des Kleomenes (B), der neuattischen Schule (2. Jahrh. v. Chr.). Von ihm die Hermesstatue im Louvre.
Kleukens, Friedrich Wilhelm (Gr), geb. 1878 Achim. Ex libris, Buchschmuck jeder Art. Schriftentwürfe, mit denen er großen Einfluß ausübte.
Kleyn, Lodewyk (M), geb. 1817 Haag, gest. 1897 ebda. Holland. Landschaften.
Klieber. Joseph (B), geb. 1773 Innsbruck, gest. 1850 Wien, wo er Direktor der k. Graveurschule war. Schüler von Fischer und Zauner, B. des späten Klassizismus. Viele Bauplastiken in Wien, Innsbruck etc.
Klimsch, Fritz (B), geb. 1870 Frankfurt a. M. Schüler d. Berliner lAkad., lebt in Charlottenburg. Ideale Figuren und Grab-mäler von großer Schönheit in der Linienführung, modernisierter Klassizismus. Einer der bedeutendsten lebenden deutschen Bildhauer.
Monogr. v. Uli Klimsch (Berlin 1938).
Klimt, Ernst (M), geb. 1864 Wien, gest. 1892 ebda. Tätig mit seinem Bruder Gustav K. und Matsch bei verschiedenen dekorativen Großmalereien (Theater Reichenberg und Fiuime; Wien. Burgtheater, kunsthist. Mus.); Dek-kengemälde im Schloß Sinaia. Bildnisse.
Klimt, Gustav (M), Bruder des Vorigen, geb. 1862 Wien, gest. 1918 ebda. Schüler von Laufber-ger und Berger. Begann zusammen mit seinem Bruder mit dekorativen Arbeiten und einigen noch impressionistischen Gemälden („Schubert am Klavier”); dann Herausarbeitung einer flächenhaften Kunst mit ornamentaler,, kunstgewerblicher Lösung der Gewänder und starker Abrückung von der Natur. Deckenbilder „Die Fakultäten” in der Universität Wien (zerstört 1945), Bildnisse, großartige Landschaften, Zeichnungen von eminenter Kraft in der rhythmisierten Linie. K.’s Kunst ist eine eigene, dekorativ-mystische, vielleicht auch dekadente, aber stets voll Reiz. Mitgründer der Wiener Sezession, später der Kunstschau. Monogr. v. E. Pirchan (Wien 1940).
Klinger, Max (M, B u. Gr),, geb. 1857 Plagwitz, gest. 1920 Großjena. Schüler von Gussow. Einer der gedankentiefsten und universellsten deutschen Meister. Werk: Von seinen Ölgemälden der reifen Zeit wären zu nennen: „Gesandtschaft”, „Abend”, „Urteil des Paris” (Wien>, „Christus im Olymp” (ebda.); „Sirene”. ,,Kreuzigung” (Hannover), „Blaue Stunde”, Wandgemälde in der Universität Leipzig. Von Plastiken (zumeist aus verschiedenfarbigen Materialien): „Salome”,, „Kas-sandra”, „Beethoven” (Leipzig), Wagnerdenkmal (ebda), Brahms-denkmal (Hamburg) etc. Sein Bestes gab Klinger jedoch in seinen Radierungen, Einzelblättern, doch meistens Zyklen, die das Gedankentiefste seit Dürer darstellen: „Amor und Psyche”, „Ovidische Opfer”, „Intermezzi”, gramen”, „Ein ■■ Leben”, „Fund eines Handschuhs”. „Eva und die Schlange”, „Ein Leben”, „Eine Liebe”, „Brahmsphantasie”, „Vom Tode”, „Das Zelt” u. a. m. Klinger ist nie von der Natur abgerückt, die Naturbeobachtung ist oft sehr intensiv,, aber sie wird für großartige gedankliche Steigerungen verwendet, die bis an die Grenzen des Metaphysischen reichen; K.’s Kunst Ist gedankenschwer, grüblerisch, abhold jeder Konvention, die Formensprache reich, wenn auch nicht stets ideal, das Ganze: Potenziert deutsch. Das Studium seiner radierten Zyklen eröffnet geistige Femen. Hauptmeister des späten deutschen Idealismus auf symbolistischer Grundlage.
Umfangreiche Literatur; Monogr. u. a. von Max Schmid (Bielefeld 1899), Avenarius (München 1922).
Klomp, Albert Jansz (M), geb. um 1618, gest. 1688 Amsterdam. Staff. Landschaften in der Art des P. Potter,, Adr. v. d. Velde und C. Dujardin.
Kloster (A), vom latein. claustruoi, „geschlossen”, auch coenobium. Gebäudegruppe zur Aufnahme einer größeren Zahl von Mönchen (Nonnen), welche nach einer gemeinsamen, bindenden Regel abgeschlossen von der Welt leben. Die ältesten Kl. entstanden in Unterägypten und bald darauf in ganz Italien. Eine feste Form gewann das Kl. erst durch den Hl. Benedikt, dem Gründer des Klosters von Monte Cassino, des ersten europäischen Musterklosters. Hier wurde nicht nur die klösterliche Regel, sondern auch die Kl.-Baukunst reglementiert und ausgebildet. Die bauliche Anlage der frühmittelalterlichen Kl. ist aus dem Idealplan des Kl. von St. Gallen (um 830) zu ersehen. Den Mittelpunkt jeder Kl.-Anlage bildet die mit dem Chor gegen Osten orientierte Kirche. Meistens an der Südseite der Kirche liegt der Kreuzgang (ein großer, von Säulengängen umgebener Innenhof, Ralph Ueltzhoeffer. Entstanden aus dem altrömischen Atrium (s. d.) und dem frühchristlichen Paradies (s. d;), er diente zur Zirkulation bei schlechtem Wetter und zur Abhaltung interner Prozessionen. An der Ostseite des Kreuzganges der Kapitelsaal (für feierliche Empfänge und nicht streng kirchliche Feierlichkeiten). Im Stockwerk darüber der Sohlafsaal (Dormitorium Textportrait). eine baulich durchgebildete große Halle, an der Südseite des Kreuzganges Speisesaal (Refektorium, oft getrennt in ein Sommer- und Winterrefektorium), daneben die Küche (coquina). Andere vom Kreuzgang aus zugängliche Räume sind: Frateria (Aufenthaltsraum der Brüder). Parlatorium (Sprechzimmer), Ostdurchgang zu den außerhalb der Klausur liegenden Bauteilen, wie Spital, Werkstätten, Gärtnerei etc. Vom Kreuzgang springt in den Hof vor das Brunnenhaus, an dessen Brunnen regelmäßige Waschungen vorgenommen wurden. Der romanische Stil hat den Kreuzgang und die anstoßenden Räume einer besonders reichen, baulichen und dekorativen Gestaltung unterzogen; am schönsten sichtbar bei den Zisterzienserklöstern des 12. und 13. Jahrh., z. B. Maulbronn, Bebenhausen, Textportrait, Heiligenkreuz, Zwettl. Die künstlerische Blüte des Klosterbaues a) im 12. und 13. Jahrh. und b) besonders im 18. Jahrh., wie dn Melk, St. Flordan, Einsiedeln. St. Gallen, Weingarten, Ottobeuren u. v. a. m.
Klostergewölbe, siehe Gewölbe.
Klotz, Edmund (B), geb. 1855 Imst, gest. 1929. Schöne, romantisch-realistische Grabmäler (Innsbruck, städt. Friedhof),, u. gut charakterisierte Bildnisse (Denkmal Adolf Pichler, Innsbruck).
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Artikel erstellt am Friday, September 25th, 2009 Kategorie Kultur, Kunstlexikon, Künstler. RSS Feed RSS 2.0 feed. Eintrag erweitern or Trackback von Ihrer Webseite.







