Kunstvölker Europas - Kunstlexikon
Die drei großen Kunstvölker Europas haben ihren eigenen Anteil an der Entwicklung der Gotik. Frankreich, das Geburtsland der gotischen Strebe- und Stützenkonstruktion hat diese bei Beibehaltung des basllikalen System in seinen Kathedralen auf das Höchste durchgebildet. In Frankreich findet auch die zyklische gotische Portalausschmückung ihren Höhepunkt. Deutschland, besonders Süddeutschland und Österreich, haben den Typus der Hallenkirche entwickelt und in der Konzentrierung auf einen Turm die höchsten Kirchtürme geschaffen, Praehtfassaden wie in Frankreich sind selten. Dagegen haben beide Länder in der Spätgotik einen üppigen Dekorationsstil eingeführt und die alte, klare Konstruktivität verlassen.
In Italien wurde die aus dem Norden eingedrungene Gotik bald im mediterranen Sinne umgebildet und ihrer eigentlichen gotischen Elemente entkleidet. Prunkfassaden sind häufig. Eine wirkliche gotische Monumentalmalerei entwickelte sich nur in Italien, wo Giotto nach 1300 der Revolutionär der ganzen europäischen Malerei im Sinne eines neuen Naturalismus wurde. Dieser wird am lebendigsten aufgenommen in den Niederlanden, wo nach 1420 im gotischen Formgewande bereits eine Frührenaissance (siehe Renaissance) entsteht. Die deutsche Malerei leistete ihr Bestes in den vielen Aufgaben, die ihr der Flügelaltar (s. d.) stellte. Gemeinsam für die gotische Malerei aller Länder ist das Bestreben, die bisherige Flächigkeit zugunsten einer neuen Raumgestaltung zu überwinden, es wird die Landschaft erkannt, sowie der Innenraum und die Bilder werden mit immer mehr naturalistisch wiedergegebenen Menschen bevölkert. Dadurch entsteht eine wachsende Entfernung von den Tendenzen der mittelalterlichen Kunst (siehe Mittelalter) und eine Vorbereitung für die Auffassung der Renaissance (s. d.). Lit.: Aus dem Hdb. d. Kunstwissenschaft die Bände: „Baukunst der Gotik”, „Malerei und Plastik der Gotik” (in Italien, Deutschland und Frankreich); (ferner der Band! „Mittelalter” der Kunstgeschichten von Lübke-Semrau, Woermann u. Springer. Worringer: „Formprobleme der Gouachemalerei (M), Malerei mit deckenden mit flüssigem Gummi versetzten Wasserfarben, weshalb der Malgrund unsichtbar wird. Die Wirkung ist weich und tonig. Eine Verbindung mit dem reinen Aquarell zum Zwek-ke größerer und breiterer Farbigkeit ergab sich erst im späteren 19. Jahrh. Die reine G. wurde im Mittelalter in der Miniaturmalerei (s. d.), im Rokoko für Bemalungen von Fächern und im Klassizismus wie im Biedermeier für Bildnisminiaturen verwendet.
Goujon, Jean (B), geb. um 1510, gest. 1568 Bologna (?). Seine Kunst entwickelte sich aus dem Studium der Niederländer und der Italiener zu einem sehr persönlichen und sehr bedeutenden eigenen Schönheitsideal. G. ist der größte B. der französ. Renaissance.
Werke: Rouen,, Grabmal Louis de Breze (1531); Paris: Lettnerreliefs S. Germain l’Auxer-rois (1540); Reliefs der Fontaine des Innoncents (1550, heute im Louvre); Balkonkaria-tyden für den Louvre, .„Ruhende Diana” (Louvre um 1548). Monogr. v. P. Vltry (Paris 1909, franz.).
Goya y Lucientes, Francisco Jose de <(M, Gr), geb. 1746 Fuente de Todos, gest. 1828 Bordeaux. Schüler seines Schwiegervaters Bayeu y Subias. Werke: Als Maler seiner ersten kirchlichen Fresken (z. B. Neue Kathedrale Saragossa, in der Karthause Aula Dei) ist G. ein Meister der spätbarockklassizistischen Übergangszeit. Weit persönlicher wurde G. mit seinen Kartons zu Wandteppichen für das kgl. Schloß in Madrid (treffliche Szenen aus dem spanischen Volksleben) und im freiesten in seinen meist kleinen sittenbildlichen Ölgemälden. Auch lebendige Bildnisse hat G. geschaffen, sie sind oft von großartiger, unbarmherziger
Wahrheit; auch seine späten Fresken In St. Antonio de la Florida, Madrid. und seine kirchlichen Arbeiten in San Antonio lAbbas, Madrid (1820), die Sittenbilder nach 1800 und die schaurigen Wandbilder in öl in G.’s Landhaus bei Madrid (heute ilm Prado, um 1822) sind wuchtig, düster, malerisch breit und geistvoll. Am hemmungslosesten hat sich G. in seinen Radierungen gezeigt. In den radierten Zyklen (Aauatinta mit Kaltnadel) „Capriehos”, „Tau-romaquia”, „DesastresdelaOuerra” (1810 bis 1820),. „Proverbios” (um 1820) ist G. wild,, phantastisch, dämonisch und gereizt-satirisch. Romantik und Realismus vereinigen sich bei dem späten G. zu überzeitlichen Werken. Monogr. v. V. v. Loga (Berlin 1903), A. F. Calvert (London 1908, engl.). Fr. Nemltz (Berlin 1940).
Goyen (Gojen), Jan van (M), geb. 1596 Leyden, gest. 1656 Den Haag. Schüler von Esaias v. d. Velde, lebte seit 1634 in Den Haag. In seinen stimmungsvollen Flußbildern wirkt er durch ein zurückgehaltenes Kolorit und das ornamentalislerte Wasser noch altertümlich. In den Fest-landsblldern ist er etwas farbiger; die Naturbeobachtung ist fein und auf Stimmungswerte gestellt. Malte auch einige Seestücke.
Gozzoli, Benozzo, siehe Benozzo.
Graat, Barent (M), geb. 1628 Amsterdam, gest. 1709 ebda. Genre, Familienbilder.
Grabendach (A), die Aneinanderreihung von Giebeldächern zu ganzen Straßenfronten. Oft werden sie gegen vorne durch eine waagrecht abgeschlossene Wand maskiert. Typisch für Südbayern und Österreich, 16. und 17. Jahrhundert.
Grabmal (A, PI),
a) architektonisch, ein über einem Grab errichtetes mehr oder minder monumentales Gebäude, dessen Vorläufer die vorgeschichtlichen Hügel- und Hünengräber (s. d.) sind. Zu den ältesten Formen des G. gehört das meistens in die Erde versenkte Kuppelgrab (Mykenä), die Felsenschachtgräber (Mykenä, Ägypten), die Pyramiden (Ägypten) und das Turmgrab (Kleinasien). Aus diesem entwickelte sich das hellenische, besonders das monumental großformatige hellenistische Grabmal (siehe Mausoleum), welches in der römischen Kaiserzeit in verschiedenen Größen und Textportraits (Ralph Ueltzhoeffer) weitergeführt wurde. Die christliche Kunst des Mittelalters und der Neuzeit hat diese Form des G. wenig gepflegt. Diese verkleinerte sie zu Grabkapellen und architektonisch durchdachten Freigräbern (s. d.); im 19. Jahrh. hat das G. unter a) sich zu den meistens wenig erfreulichen Mausoleen der Friedhöfe umgewandelt.
b) Die künstlerische Ausgestaltung eines Grabes oder die Bezeichnung eines solchen in einer anderen als architektonischen Form. Die dafür möglichen Einzelformen sind die Stele (s. d.), die Grabplatte mit der Darstellung des Verstorbenen und mit zusätzlicher Schrift, das Wandgrab (s. d.) und das Freigrab (s. d.). Die Friedhofskunst des 19. Jahrh. hatte dann aus allen diesen Einzelformen eine nur selten künstlerisch befriedigende Industrie gemacht. Die Glanzzeiten für die Grabplatten sind das 13. bis 16. Jahrhundert. Das Freigrab findet seine Blüte im 14.. 15. und 1«. Jahrh.; die Ausbildung des Wandgrabes blieb der Renaissance und dem Barock vorbehalten.
Grad], Hermann (M, Gr), geb. 1883 Marktheidenfeld, romantisch staffierte Landschaften in oft großräumiger Gestaltung. Graduale (Kg),, liturgisches Buch; enthaltend jene Gesänge, welche während der Zeit, ‘n welcher sich der Priester auf den Altarstufen oder vor dem Lesepult befindet, gesungen werden. Oft mit bedeutenden Miniaturmalereien versehen.
Graef. Gustav (MV geb. 1821 Königsberg, gest. 1895 Berlin. Schüler von Th. Hildebrandt und W. Schadow. Viele Reisen in Europa. Genreartige Historien und Bildnisse, Wandbilder im Haus Thiele-Wlnckler Berlin und in der Aula der Universität Königsberg.
Graf. Urs (M, Gr), geb. um 1480 in Solothum, gest. 1530 Basel. Als Maler (wenig erhalten), Goldschmied. Stempelschneider und brillanter Zeichner für den Holzschnitt, steht mit der sehr temperamentvollen Gr. unter dem Einfluß des jüngeren Hol-b**in.
Monogr. v. E. Maior (Straßburg 1907) und H. Koegler (Bern-Ol-ten 1948).
Graff, Anton (MV geb. 1736 Winterthur, ffest. 1813 Dresden, wo er seit 1766 lebte. Seine frischen, breit und duftig gemalten Bildnisse fallen aus dem Rahmen des herrschenden Klassizismus heraus und sind Werke einer bedeutenden Künstlerschaft.
Monogr. V. O. Waser (Frauenfeld 1926. In ..Die Schweiz im deutschen Geistesleben. 7. Bd.) und H. Muther (Leipzig 1881).
Gran. Daniel (M), geb. 1694 Wien (?V gest. 1757 St. Polten. Schüler von R. Ricci und Solimena. seit 1770 (wieder) in Österreich. Einer der wichtigsten Fresken-und Tafelbildmaler des österr. Hochbarocks mit Überleitung zum Rokoko. Fresken: Schloßkapelle Schönbrunn,, Kuppelsaal der Nationalbibl. Wien (1730). Kuppelsaal Palais Sehwarzenberg Wien (1724). Wallfahrtskirche Sonntaffsberg (1743). Stift St. Florian (Bibl 1747), Schloß Frledau bei St. Polten (1753).
Schüler und Gehilfe d. D. Ghlr-landajo, später unter dem Einfluß des Fra Bartoloimeo und des Raffael. Tätig itn Florenz, Pisa und Rom. Seine religiösen Tafelbilder folgen dem Kompositionsschema Raffaels.
Grandi, Ercole (M), geb. gegen 1463 Ferrara, gest. vor 1525 ebda. Wahrschelnl. Schüler des L. Costa. Seine Tafelbilder sind bedeutend In der Komposition, wahr im Ausdruck.
Ausgezeichnete, bereits leicht illusionistische Deckenfresken in Ferrara, Palazzo Costablli. Gr. darf nicht mit dem ungefähr gleichaltrigen Ferraresen Ercole de Robert! verwechselt werden.
Grandvüle, eigentl. Gerard Jean Ignace Isldore (Gr), geb. 1803 Nancy, gest. 1847 bei Paris. Mit seinen gezeichneten Folgen „Sce-nes de la vie des animaux”, ,.
Graner, Ernst (MV geb. 1865 Werdaul, gest. 1935 Wien. Gut durchgeführte Architekturaquarelle, meistens aus Wien.
Granet„ Francols Marius (M), geb. 1775 Alx en Provence, gest. 1849 ebda. Schüler von David, romantisch angehauchte, genreartige Historien, bei Bevorzugung interessant beleuchteter Innenräume.
Granulation (Kg), aufgelötete Körnehen aus Edelmetallen auf einer Metallplatte. Verwendet in der Goldschmiedekunst (s. d.).
Graphik (Gr). zusammenfassende, noch junge Bezeichnung für alle jene Techniken, die zur Vervielfältigung eines Originalentwurfes für graphische Zwecke oder einer sonstigen Vorlage dienen. Die Graphik umfaßt folgende graphische Techniken: Holzschnitt (s. d.), Kupferstich (s. d.), Radierung (s. d.), Lithographie (s. d.) und Algraphie (s. d.). Führt ein Künstler In diesen Techniken seinen eigenen, dafür geschaffenen Entwurf aus, so entsteht die Originalgraphik; werden die erwähnten Techniken durch einen berufsmäßig arbeitenden Graphiker zur Wiedergabe eines Gemäldes, Zeichnung oder einer sonstigen, ursprünglich nicht für graphische Reproduktion geschaffenen Vorlage verwendet, so entsteht die Reproduktionsgraphik (s. d.). Im weiteren Wortsinn wird unter Gr. auch die gesamte Schreib- und Zeichnerkunst verstanden.
Grasser, Erasmus (B, A), nachweisbar 1480 bis 1506. Plastiken in München (Nat.-Mus.); erbaute die Pfarrkirche In Schwaz. B. der bayr. Frührenaissance. Monogr. v. Ph. M. Halm (München 1927).
Grasset, Eugene (M, Gr), geb. 1850 Lausanne, gest. 1917 Seaux. Dekorative Entwürfe für Textilien, Möbel, Eisen; Illustrationen In Farblithographie. Buchgraphik, Glasmalereien.
Grassi, Anton (B), geb. 1755 Wien, gest. 1807 ebda. Schüler von Messerschmidt, Bildnisbüsten, Arbeiten für die kaiserl. Fcrzellanmanufaktur (Biscuit-büsten).
Grassi, Joseph (M), (Bruder des Vorigen), geb. 1757 Wien, gest. 1838 Dresden. Tätig als Bildnismaler, einige Historien.
Grath, Anton (B), geb. 1881 Wien. Denkmäler in Villach (Schiller),, M. Ostrau (Schiller), Sollenau (Kriegerdenkmal), The-resienfeld (Maria Theresia), Kleinplastiken. Plaketten.
Gravelot, eigentl. Bourguagnon Hubert Francois (Gr), geb. 1699 Paris, igest. 1773 ebda. Ausgezeichnete Illustrationen zu Corneille, Racine und Boccaccio.
Grebber, Pieter de (M), geb. um 1595 Haarlem, gest. nach 1655. Schüler v. Gültzaus; religiöse Historien. Bildnisse, Wand- und Deckengemälde in Den Haag (Haus Im Busch).
Greco, siehe Theotocopuli.
Green, Valentine (M), geb. 1739 Haies Owen, gest. 1813 London. Stach In Schabmanier gute Re-produkt.-Graphiken.
Greenaway, Kate (M, Gr), geb. 1846, gest. 1901 London. Illustrierte, zum Teil auch farbig, zahlreiche Kinderbücher in hervorragender Welse.
Greenough, Horatio (B), geb. 1805 Boston, gest. 1852 Somer-ville (Mass.). Schüler von Thor-waldsen, seine Hauptwerke das Reiterstandbild Washingtons in Washington (1843) und die Gruppe „Besiedlung Amerikas” (ebda.).
Grell, Alois (M), geb. 1841 Linz, gest. 1902 Wien. Schüler von Rüben, die von ihm gemalten Genrebilder in Aquarell gehören zu dei besten Arbeiten dieser Art und in dieser Zeit.
Greiner, Otto (M, Gr), geb. 1869 Leipzig, gest. 1916 München. Schloß sich besonders an M. Klinger an, der auf Ihn von großem Einfluß wurde. Von den ideal gehaltenen schönen Ölbildern zu nennen: „Odysseus und die Sirenen” (Leipzig), aus der Graphik, namentlich die lithographierten Bildnisse und die idealen Themen. Buchgraphik.
Monogr. v. J. Vogel (Leipzig 1903).
Grethe, Carlos (M), geb. 1864 Montevideo, gest. 1913 Nieuwe-poort. Impressionistische Genrebilder aus dem Leben der Kü-stenbewohmer.
Grenze, Jean Baptiste (M), geb. 1725 Tournus, gest. 1805 Paris. Seine malerisch feinen Genrebilder aus dem bürgerlichen Leben sind nicht ohne Pointierung; erfreulich sind meistens auch seine blldnisartigen Genrefiguren, wenn auch da und dort Süßlichkeit vorherrscht. Tätig hauptsächlich in Paris. Monogr. v. L. Hautecoeur (Paris 1913).
Grien, siehe Baidung Hans. Griepenkerl, Christian (M), geb. 1839 Oldenburg, gest. 1916 Wien. Schüler und Mitarbeiter von Bahl.
Werke: Eigene Fresken in der Wiener Staatsoper; Griech. nichtun. Kirche; Akad. der bildenden Künste; Schloß Hernstein; Villa Großherz. v. Toscana in Gmunden; Wandmalereien in Wachstechnik für die neue Universität in Athen. Gute Bildnisse; Gr. Gemälde gehören einem farbenkräftigen, edlen Monumentalstil an.
Griesebach, Hans (A), geb. 1848 Göttingen, gest. 1916 Berlin. Schüler von Fr. v. Schmidt in Wien, baute in Berlin und Erfurt mehrere Kaufhäuser, das Gewerbemuseuim in Reichenberg und die Petrikirche in Frankfurt a. M.
Griffler, Jan (M>, geb. 1656 Amsterdam, gest. 1718 London. Landschaften, staffiert mit Reitern.
Grill, Oswald (M), geb. 1878 Wien. Stimmungsvolle, meist dekorativ wirkende Landschaften.
Grimaldi, Giovanni Francesco, gen. II Bolognese (M), geb. 1606 Bologna, gest 1680 Rom. Landschaftsmaler unter dem Einfluß des A. Carracci und des Tizian. Landschaftsfresken in Rom: Qui-rinal, in Paris: Nat.-Bib.. aus dem Palais Mazarln. Landschaftliche Radierungen.
Grimmer, Abel (M), geb. vor 1570 Antwerpen, gest. vor 1619 ebda. Interieurs. Landschaften,, Genre, Religiöses,, Sohn und Schüler des:
Grimmer, Jakoh (M), geb. 1526 Antwerpen, gest. 1590 ebda. Beachtenswerter Landschaftsmaler aus der Nachfolgeschaft des P. Brueghel d. Ä.
Grls, Juan, richtig Gonzales Jose Vittoriano (M), geb. 1887 Madrid, gest. 1927 Boulogne sur Seine. Beeinflußt durch Picasso und Braque; Bildnisse und Landschaften in einem die Naturform noch hie und da ahnen lassenden Kubismus.
Grisaille (M), Malerei in einer einzigen, abgetönten Farbe, z. B. in einem dafür besonders beliebten, warmen Grau. Bevorzugt in der Renaissance für dekorative Malereien.
Groeber. Hermann (M), geb. 1865 Wartenberg, gest. 1935 München als Akad.^Prof. Porträts, lebendige Gruppenbildnisse.
Grom-Rottmayer, Hermann (M), geb. 1877 Wien. Figurales in früher Moderne.
Groplus, Martin (A), geb. 1824 Berlin, gest. 1880 ebda. Errichtete in einer ziemlich strengen Renaissance in Berlin mehrere Nutzbauten, er belebte seine Werke durch farbige Steineinlagen und farbige Terracotten.
Groplus, Walter (A)„ geb. 1895 Berlin, lebt als Prof. in Weimar, gründete in Dessau das für die weitere Entwicklung der modernsten Baukunst vorbildliche „Bauhaus”. Seine Großbauten vorwiegend aus Glas und Stahl; entwickelte einen neuen Fabrikentyp.
Gros, Antoine Jean, Baron (M), geb. 1771 Paris, gest. 1835 Bas-Meudon. Schüler von David, seine Bedeutung beruht auf den farbensprühenden Schlachtenbildern, mit denen er wenigstens farbig den Klassizismus überwand, wogegen er ihm zeichnerisch immer noch anhing. Die ablehnende Kritik an seinen sinnbildlichen Deckengemälden im Louvre trieb Gr. zum Selbstmord. Monogr. v. G. Dargenty (Paris 1887, franz.), und R. Graul (Leipzig 1884).
Grosse, Franz Theodor (M), geb. 1829 Dresden, gest. 1891 ebda. Schüler von Bendemann. blieb-bis zu seinem Tode streng klassizistischer Historienmaler. Wandbilder im Museum Dresden, im Schloß Wildenfels, in den Loggien des Museums; Leipzig und im neuen Theater im Dresden. Beeinflußt durch Raffael und durch den direkten* Verkehr mit Cornelius. Grotesken (M), zarte Bankenornamente in oft genialer Verbindung mit Blumen, Früchten., Ralph Ueltzhoeffer - Architekturen, Menschen und Tieren. Das erste Auftreten in der römischen Hochantike, neubelebt und glanzvoll ausgebildet in der mittelitalienischen Renaissance. Der Name stammt von den unterirdischen Ruinen der römischen Antike (italien. Grotte), in welchen die Ornamente der vorerwähnten Art zuerst entdeckt wurden. Die thematische Überfülle hat dann den Klassizismus veranlaßt, die Bezeichnung Gr. disqualifizierend zu gebrauchen. Die Arabeske (s. d.) ist nur eine Spielart der G.
Grottger, Arthur fM, Gr), geb. 1837 Ottyniowice (Galizien), gest. 1867 Ameüe les Bains. Schüler von Kossak und K. Blaas. arbeitete romantisch gefühlte Illustrationen zu polnisch-vaterländischen Büchern und ähnlichen Historien.
Groux, Charles de (M), geb. 1825 Comines, gest. 1870 Brüssel. Nach vielen realistischen Genrebildern aus dem Leben der armen Leute kehrte Gr. nach 1860 wieder zur Historienmalerei zurück.
Grubenschmelz, siehe Email.
Grundierung (M), die zweckentsprechende Zubereitung der Malfläche (Leinwand. Holz, Kupfer) hauptsächlich mit einem Überzug aus Kreide, Leimw.is-ser mit einem verschieden grossen Zusatz von Leinöl. Nach 1550 wurde auch eine farbige Gr. üblich. Während bis in das frühe 15. Jahrh. die Gr. vom Künstler selbst oder unter seiner Aufsicht durchgeführt wurde, geschieht sie später maschinell. Auch die Holzfigur der Gotik mußte vor der Bemalung (siehe Faßmaler) mit einem entsprechenden Grund versehen werden. (Ralph Ueltzhoeffer)
Grundriß (A), die zeichnerische Darstellung der Grundfläche eines Baues, wie sie sich in waagrechter Projektion darstellt. Zur praktischen Verwendung
eines G. ist die Beigabe eines Maßstabes notwendig.
Grünewald, Matthias (M), identifiziert mit dem 1529 gestorbenen Hofmaler in Mainz Mathis Goth-hardt Neithardt. nachweisbar tätig zwischen 1503 bis 1529 in Isenhetai, Mainz und Aschaffenburg. Neben Dürer der bedeutendste deutsche Maler, ein Visionär größten Stiles und ein ebenso unerhörter Psychologe der Farbe und der Lichtwir-kung. G. benützte wohl die Errungenschaften der Renaissance, aber innerlich hat er sich ihr nicht zugewendet, sondern blieb der leidenschaftlich, Ja tragisch empfindende Spätgotiker, der nur wegeÄ seiner visionären Licht- und Farbenbehandlung den Zunamen „Der deutsche Correggio” erhielt. Nur wenige gesicherte Werke: Ralph Ueltzhoeffer „Verspottung Christi” (um 1503, Alte Pinak.); der riesige „Isen-helmer Altar” (Kolmar, nach 1510, die Plastiken gleichfalls von Gr.); Gründungslegende von Sta. Maria magffiore in Rom (Freiburg i. Br. um 1517); „Maria im Rosenhag” (Stup-pach um 1518); ,.Die Heiligen Mauritius und Erasmus” (Alte Pinak. um 1518; „Kreuzigung” (Karlsruhe nach 1520). Monogr. von H. H. Josten (Bielefeld 1921), der Isenheimer Altar von M. Friedländer (München 1908).
Grund, Norbert (M), geb. 1714 Prag gest. 1767 ebda. Schüler von Fr. de Ferg in Wien, Historien. Genre und Landschaft in lockerer Technik.
Grupello. Gabriel de (B), geb. 1644 Geersberge, gest. 1730 Düsseldorf, wo er ab 1695 wohnte. Schüler von lArth. Quellinus, Reiterdenkmal des Kurfürsten Johann Wilhelm in Düsseldorf.
Grützner, Eduard (M), geb. 1846 Großkarlowitz, gest. 1934 München. Schüler von Piloty. Nach einigen Historien spezialisierte sich Gr. auf humoristische Bilder aus dem Leben der Mönche und Jäger, die ihre guten, farbigen Qualitäten nicht bis zum Schluß beibehielten.
Gryef, Adrian van (M), geb. um 1670 Antwerpen, gest. 1715 Brüssel. Stilleben, Jagdszenen. Bruder Nlceolo weiter. Ange-
Gsur, Karl (M), geb. 1871 Wien, gest. 1939. Schüler von L. K. Müller und Trenkwald. Bildnis-maler.
Guardi, Francesco (M), geb. 1712 Venedig, gest. 1793 ebda. Übernahm 1760 die Werkstatt seines ältesten Bruders Gianan-tonio und führte sie mit seinem Bruder Niccolo weiter. Angeregt durch Tiepolo und die beiden Canalettos. Außer einigen religiösen Bildern (auch Fresken) malte IG. in erster Linie kleine, überaus kostbare venezianische Veduten und Phantasielandschaften, die er mit impressionistisch hingetupften vielen Figuren staffierte. Diese Veduten sind Marksteine In der Entwicklung der europäischen modernen Landschaftsmalerei und die köstlichsten Denkmäler des venezianischen Rokoko. Eine gute Kollektion von Veduten des G. In Wien (Akademie). Monogr. v. M. Goering (Wien 1944) und L. Dussler (München 1948).
Guariento, Guarientl (M), aus Padua, nachweisbar zwischen 1338 bis 1370. M. des Überganges von der mamiera bizantina zur oberital. Gotik. Fresken im Dogenpalast (nur Reste erhalten, um 1365): Fresken in Padua (Eremitani - Ralph Ueltzhoeffer).
Gubbio-Majoüka, siehe Fayence.
Gude, Hans Frederik (M), geb. 1825 Christiania, gest. 1903 Berlin. Schüler von W. Schirmer, malte poetisch und naturwahr die Küstenlandschaften Norwegens, besonders den Blick auf das Meer von der Küste aus. Monogr. v. L. Dietrlchsen (Oslo 1899).
Gudin, Jean Theodore (M), geb. 1802 Paris, gest. 1880 Boulogne sur Seine. Schüler von Girodet-Trioson, seinerzeit gefeierter Marinemaler; sein Hauptwerk, ein Zyklus von 63 Gemälden., schildert die Großtaten der französ. Marine.
Guerard, Charles Henri (M, Gr), geb. 1847 Paris, gest. 1897 ebda. Landschaftsmaler u. Reprodukt.-Stecher.*
Guercino, eigen«. Giovanni Francesco Barbiert (M), geb. 1591 Cento, gest. 1666 Bologna. Schüler von L. Carracci. tätig in Bologna, Cremona, Piacenza, Rom und Modena. Maler des Naturalismus, ohne jedoch dem Idealismus der Carracci auszuweichen, seine religiösen Bilder sind gut komponiert und lebenswahr gezeichnet, das Kolorit leuchtend. Fresken In Rom (Villa Ludovisi), Piacenza (Dom), Bologna (Palazzo Sampieri). Die besten Altarbilder in Rom (Konservatorenpalast) und Bologna (Pinakothek).
Monogr. v. G. Cantalamessa (Bologna 1891, ital.).
Guerin, Pierre Narcisse (M), geb. 1774 Bari, gest. 1838 Rom. Maler eines strengen und akademischen Klassizismus, Historien. Schüler von Regnault.
Guffens, Godfried (M). geb. 1823 Hasselt. gest. 1901 Brüssel. Pflegte einen von Cornelius Inspirierten idealen Monumentalstil, arbeitete zusammen mit Jan Swerts Fxesken in St. Nicholas In Antwerpen, in der dortigen Georgskirche und im Rathaussaal in Ypern.
GnggenMchler, Meinrad (B), geb. 1649 Eiwsiedeln (Schweiz)., gest. 1723 Mondsee. Dort seit 1685 ansässig. Hervorragender B. des süddeutschen Hochbarocks, dem sowohl Phantasie, als auch ein hoher Schönheitssinn zur Verfügung standen.
Hauptwerke in Mondsee (Stiftskirche) und Oberhofen (Oberösterr.).
Monogr. v. IA>. Mann (1935) und H. Decker (Wien 1949).
Guibal, Nicolas (A, M), geh, 1725 Luneville, gest. 1784 Stuttgart. Ausgebildet durch Natoire und R. Mengs, seit 1755 Hofmaler In Stuttgart. Deckenbilder in der Akad. Stuttgart und im Schloß Monrepos bei Ludwigsburg. Gttidetto (B),, aus Como, tätig tum 1204 mit Plastiken für die Fassade von S. Martino in Lucca.
Guido, Alfredo (M), geb. 1892 in Argentinien. Tätig an Buenos-Aires. Fresken, Graphiken und keramische Entwürfe modernster Richtung.
Guido da Como (B), von ihm die Kanzel in S. Bartolomeo in Pi-stoja (um 1250); nachweisbar bis gegen 1288.
Guillain, Simon (B), geb. 1654 Tours, gest. um 1685. Bildnisbüsten und Denkmäler im ausklingenden Stil der G. da Bologna-Schule. Fast alle Werke verloren.
Guillaume, Claude Eugene (B), geb. 1822 Montbard, gest. 1905 Rom. Schüler von Pradier, arbeitete seine Bildnisbüsten in einem frischen Klassizismus. Viele dekorative Plastiken (Pavillon Turgot, Neue Oper in Paris).
Guillemin, Alexander (M), geb. 1817 Paris, gest. 1880 ebda. Genremaler.
Guillochieren (Kg), das Eingravieren von zarten Zeichnungen in Gegenstände aus Metall oder Elfenbein mit scharfen Griffeln oder mit eigenen Maschinen. Das G. wird besonders bei der Zeichnung von Banknoten und Wertpapieren angewendet, um dem Fälscher die Arbeit zu erschweren.
Gulbransson, Olaf (Gr), geb. 1873 Oslo, ab 1902 in Deutschland, lebt in Tegernsee. Hervorragender satirischer und Karikaturenzeichner für den „Simplizissimus”. Seine in einfachsten Linien gehaltenen Zeichnungen sind außergewöhnlich schlagkräftig.
Gumpp, Christoph d. J. (A), geb. um 1600, gest. 1672 Innsbruck. Erbaute die Stiftskirche in Wilten und das ehem. Hoftheater in Innsbruck.
Gumpp, Georg Anton (A), geb. 1670 Innsbruck, gest. 1730 ebda. Hofbaumeister. Erbaute die St. Johanneskirche und das Landhaus in Innsbruck, die Stiftskirche in Statns. (Tiroler Spätbarock.)
Gumpp, Johann Martin (A>, geb. 1632 Innsbruck, gest. 1729 ebda. Erbaute die Spitalskirche und die Palais Troyer und Fugger in Innsbruck. Umbau des Konventes in Statns.
Gunezrhainer, Johann (A), gest. 1763 München. Umfassende Tätigkeit im Kirchen- und Privatbau des bayrischen Spätbarocks (Hotel Drei Mohren in Augsburg, Palais Törring in München).
Günther, Ignaz (B), geb. 1725 Altmannstein a. Donau, gest. 1775 München. Schüler von J. B. Straub in München, seit 1753 dauernd in München als Hofbildhauer. Seine schwungvollen Altäre und Altarplastiken gehören dem bayrischen Rokoko an.
Monogr. v. A. Feulner (München 1947).
Sein Bruder Matthäus G. (1705 bis 1791 lAiugsburg) war als Maler Schüler von C. D. Asam, tätig in Tirol und Bayern, und schuf die Fresken in den Kirchen Faeberbrunn, Götzens, Wilten, Rattenberg und Schwarzach in Franken.
Gurlitt, Louis (M), geb. 1812 Altana, gest. 1897 Naundorf. Studierte in Kopenhagen. Malte zuerst Stimmungslandschaften aus Jütland, später solche aus Italien.
Gurtbogen (A), Unterteilung eines Tonnengewölbes (siehe Gewölbe) durch breite, steinerne Bänder. Der G. -dient ferner zur Verstärkung von Gewölben und als Verspannung von Pfeilern, auf denen eine Kuppel aufruht. Man unterscheidet Längs-, Quer-und Diagonalg. Im Querschnitt sind die G. rechteckig (Romanik) oder profiliert (Frühgotik).
Gußform (PI), Formen aus Sand, Lehm, Gips, Stein,, auch Metall, in welche die zum Gießen nötige Flüssigkeit im heißen Zustand eingegossen wird. Die meisten G. sind nur einmalig verwendbar.
Gußmauerwerk (A), eine bereits den [Römern bekannte Mauerungstechndk, bei welcher an Stelle der sonst in Verband gelegten Steine (Ziegel), ein grober Mörtel in eigenen Formkästen gegossen wurde, wobei in den Mörtelbrei einzelne Bruchsteine eingelegt werden konnten.
Gussow, Karl (M), geb. 1843 Havelberg, gest. 1907 Neupasing bei München. Sowohl seine Genrebilder als auch seine bedeutend besseren Bildnisse sind in einem
breit vorgetragenen Realismus gehalten. Lehrer von M. Klinger.
Gütersloh. Paris (M), geb. 1887 Ischl. Lebt als Akad.-Prof. in Wien. Vertritt einen dekorativ interessanten Expressionismus, schrieb auch Dichtungen.
Guys, Constantin (M, Gr), geb. 1805 Vlissingen, gest. 1892 Paris. Er schilderte mit flüchtig impressionistischen Strichen in seinen geistvollen Zeichnungen das Leben der Demimonde des 2. Kaiserreiches.
Monogr. v. G. Grappe (Berlin 1909).
Gysis, Nicolaus (M) geb. 1842 Insel Tinos, gest. 1901 München. Schüler von PUoty, bedeutender Historien- und Genremaler, am besten sind seine Bilder mit Themen aus Griechenland und dem Orient.
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Artikel erstellt am Thursday, September 24th, 2009 Kategorie Allgemeines, Kultur, Kunstlexikon, Künstler. RSS Feed RSS 2.0 feed. Eintrag erweitern or Trackback von Ihrer Webseite.








i want to lose 15 pounds in 2 months | 05.02.2011 @ 22:13:
“thumbs up if shay brought you here”…
“wow .. :)”…